Wir mussten den für 13. November geplanten Studientag des PVOÖ zum Klimaschutz coronabedingt leider absagen. Da dieses Thema auch für uns Ältere von enormer Bedeutung ist, konnten wir die großartigen ReferentInnen für einen Beitrag in unserer Zeitung gewinnen. Univ.-Profin Drin Helga Kromp-Kolb kann uns für die nächste Ausgabe einen Artikel beisteuern.


KANN DER EUROPEAN GREEN DEAL DAS KLIMA RETTEN?

EU-Abgeordneter Hannes Heide

Wir alle wollen die Natur so wie wir sie kennen für unsere Kinder und Enkel erhalten. Die Europäische Union hat sich dafür ambitionierte Ziele gesetzt. Der Green Deal sieht vor, dass Europa bis 2050 klimaneutral wird. Die meisten von uns tragen längst ihren Teil dazu bei: Müll trennen, Strom sparen und so oft wie möglich auf das Auto verzichten. Dieses Engagement ist wichtig und wirkungsvoll. Vielleicht noch wichtiger ist es aber von der nationalen Politik die Umsetzung von Umwelt-Richtlinien einzufordern, diesen Weitblick dürfen wir in wirtschaftlich und emotional belastenden Zeiten nicht verlieren.

Reparieren statt wegwerfen
Der Green Deal setzt an vielen Hebeln an, spürbar wird für uns bald das Verbot von Einwegplastik, das ab Juli 2021 z. B. Ohrenstäbchen und Trinkhalme betrifft. Das Ziel ist eine möglichst geschlossene Kreislaufwirtschaft, für die wir ein „Recht auf Reparatur“ durchsetzen wollen, was den Elektromüll reduzieren und Arbeitsplätze schaffen würde. Im Parlament wird zudem an fairen Steuern für Flüge gearbeitet, einem der größten Abgastreiber.

Umweltschutz ist eine soziale Frage
Wichtig um die CO2-Werte zu senken ist auch der Kohleausstieg, für den betroffene Regionen Hilfe aus dem „Just Transition Fonds“ erhalten. Nicht nur der grüne Wandel der Industrie, sondern auch die Gemeinden werden gefördert. Finanziert wird energieeffzienter sozialer Wohnbau, nachhaltige Wasserinfrastruktur, sogar die Förderung klimafreundlicher Kultur- und Tourismusprojekte ist möglich. Doch die Welt hört nicht an den EU-Grenzen auf. Die Folgen des Klimawandels bekommen zuerst die ärmsten Teile der Erde zu spüren, was dem  ema Flucht eine neue Dimension gibt. Europa muss deshalb globaler Tempomacher für klimafreundlichen Fortschritt bleiben.

 

DIE KLIMAKATASTROPHE VERHINDERN – ABER WIE?
Wirtschaftsforscher Mag. Dr. Stephan Schulmeister

Um die Emission von Treibhausgasen, insbesondere von CO2, radikal zu senken, muss der Verbrauch von Energie reduziert und auf erneuerbare Quellen (Sonne, Wind, Wasser) umgestellt werden. Dafür braucht es gigantische Investitionen: Umwandlung nahezu aller Gebäude in kleine Kraftwerke (durch Wärmedämmung, Photovoltaik, Wärmepumpen und Stromspeicher), Ersatz fossiler Energie in der gesamten Industrie durch Wassersto (gewonnen aus erneuerbarem Strom), transeuropäische Hochgeschwindigkeitszüge und eine enorme Ausweitung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen. Wann aber zahlen sich solche Investitionenaus? Ihr Pro t besteht in den dadurch in aller Zukunft vermiedenen Energiekosten. Wenn ich weiß, dass sich fossile Energie jedes Jahr überdurchschnittlich verteuert, lohnt sich die Sanierung meines Einfamilienhauses (ca. 60.000 Euro). Tatsächlich schwanken die Kosten fossiler Energie, insbesondere von Erdöl, so stark, dass auch hohe CO2-Steuern nicht die Erwartung stetig steigender Emissionskosten verankern können. Dazu wäre es nötig, in der EU einen Preispfad für Erdöl, Kohle und Erdgas festzulegen, indem die Di erenz zwischen dem jeweils geltenden Zielpreis und dem Weltmarktpreis durch eine  exible Energiesteuer abgeschöpft wird. Die jährliche Kostensteigerung könnte (nur) etwa 5 Prozent betragen also viel weniger als die Preissprünge in der Vergangenheit. Entscheidend ist, dass sich alle auf die für Jahrzehnte festgelegte Preisentwicklung verlassen können. Denn ökologische Investitionen rechnen sich oft erst nach Jahrzehnten und brauchen daher eine maximale Planungssicherheit.

 

WO KÖNNTE DER STROM IN ZUKUNFT HERKOMMEN?
Physiker und „Science Buster“ Werner Gruber

Deutschland zeigte, dass nur ein Drittel der Energieversorgung über klimaneutrale Kraftwerke möglich ist. Was tun? Unsere Sonne liefert über 14 Milliarden Jahre Licht und Wärme. PhysikerInnen sind nun in der Lage das Sonnenfeuer auf die Erde zu holen. Im Inneren der Sonne wird Wassersto zu Helium zusammengedrückt. Das Heliumatom ist eine Spur leichter als die vier Wasserstoffatome. Diese Massendi erenz wird in reine Energie umgewandelt. Man braucht etwas Wassersto , den man zusammendrückt. Wir müssen den Druck und die Temperatur im Inneren der Sonne erreichen, damit es zur Verschmelzung kommt. Durch große Magnetspulen werden gigantische Ströme durchgeschickt, Mikrowellen in das Plasma hineingeschossen und vieles mehr. 1997 ist es erstmals gelungen mit dieser Idee mehr Energie herauszuholen, als man hineinstecken musste. Die Physik haben wir jetzt im Gri . In Südfrankreich wird eine solche Versuchsanlage als internationales ITER-Projekt gebaut. Es gibt keinen radioaktiven Abfall und explodieren kann es nur, wenn man es sprengt. Ein Tschernobyl kann man ausschließen. Das Einzige, was radioaktiv wird, sind die Wände des Gefäßes – diese werden alle paar Jahre ausgewechselt und können wiederverwendet werden. Wir brauchen nur Wassersto , der zum Glück ausreichend verfügbar ist. Der einzige Nachteil ist die komplexe Technik – vieles muss neu entwickelt werden. Wenn dann alles funktioniert, können wir damit sogar viel Geld verdienen. Jeder will ein Kraftwerk, für das man nur Wassersto benötigt, das Gigawatt liefert und kein CO2 oder andere Abfallsto e produziert. Was kostet es? Rund 15 Milliarden Euro schlüsselfertig – bezahlt wird es von der halben Welt (EU, Kanada, China, Indien, Südkorea usw.). Wann geht ITER in Betrieb? Dezember 2025. Warum nicht früher? Weil es der EU nicht ganz so wichtig ist.

 

Referentinnen und Referenten
Zum Thema „Klimakrise und die soziale Frage“ konnten wir die Besten der Besten als ReferentInnen gewinnen.

referentenPhysiker und „Science Buster“ Werner Gruber, MEP Hannes Heide, Klimaforscherin Univ.-Professorin, Drin Helga Kromp-Kolb und Wirtschaftsforscher, Mag. Dr. Stephan Schulmeister

 

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