Vor wenigen Wochen wurde in der AK Wien das erste Handbuch Reichtum vorgestellt, hier ein Auszug davon vom Kontrast-blog (kontrast.at). Eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer zur Verteilung von Vermögen zeigt: Das oberste 1% in Österreich besitzt rund 40% des Gesamtvermögens. Diese Zahl hat entsetzt, bloß endete die Debatte rasch wieder.

 

Dabei müsste die Verteilungsfrage angesichts ihrer immensen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Demokratie im Zentrum stehen. Im „Handbuch Reichtum“ wird nun die Vermögensungleichheit auch unter die demokratiepolitische Lupe genommen. Was sich zeigt: Reichtum ist männlich und die Lobby gegen eine Besteuerung von Vermögen ist mächtiger als vermutet.

 

534 Milliarden in den Händen eines Prozents
In diesem Sinn zeigen die neuen Ergebnisse der AK-Studie, dass das oberste 1% nicht, wie vielfach angenommen, nur 25%, sondern rund 40% des gesamten Vermögens in Österreich besitzt. Auf die ärmere Hälfte der ÖsterreicherInnen kommen demgegenüber nur 2,5% des Vermögens. In absoluten Zahlen heißt das, dass das reichste Prozent im Schnitt ein Nettovermögen von 14 Millionen Euro pro Haushalt zur Verfügung hat. In Summe sind das gemeinsam rund 534 Mrd. Euro.

 

Das reichste 1 % besitzt 40,2 % des Vermögens
grafik reichste

 

Wer wird reich?
Laut den neuesten Hochrechnungen müsste es 36 Milliardäre sowie 148.000 Millionäre in Österreich geben – doch wer sind diese vermögenden Menschen eigentlich? Aus anderen Studien ist bekannt, dass vor allem die Klassenlage ein entscheidender Faktor zur Erklärung von Reichtum ist. Vermögend sind v.a. UnternehmerInnen mit Beschäftigten (inkl. UnternehmerInnen in der Landwirtschaft) sowie hoch qualifizierte ManagerInnen.


Man könnte einwenden, dass dies nur fair sei, da diese ihr Unternehmen selbst aufgebaut und Arbeitsplätze geschaffen haben sowie ein hohes Risiko tragen. Allerdings wissen wir, dass gerade großer Unternehmensbesitz vielfach geerbt wird. Darüber hinaus verdienen die Vorstände der ATX-Unternehmen derzeit das 51-fache des mittleren Einkommens ihrer MitarbeiterInnen in ihren jeweiligen Unternehmen. Ob sie tatsächlich ein 51-fach so hohes Risiko tragen, ist zumindest diskutierenswert: Während Platon einst ein Verhältnis von 4:1 vorschlug, wurde jüngst in der Schweiz über eine Begrenzung auf 12:1 abgestimmt.


Erbschaften und Schenkungen sind generell die Hauptursache für die hohe Vermögensungleichheit in Österreich: Während die untere Hälfte der Bevölkerung fast ausschließlich kleinere Geldbeträge erbt, findet man unter den ganz Reichen viele Haushalte, die neben dem Geld und ihrem Wohnsitz auch einen Betrieb bzw. weitere Immobilen vererbt bekommen. Wer hat, dem wird gegeben.


Reichtum ist also selten eine Folge von großer persönlicher Leistung, sondern hängt vielmehr davon ab, in welche Familie man hineingeboren wird. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, auch in einer wohlhabenden Familie sind die Chancen nicht vollständig gleich verteilt: Frauen erben zwar aufgrund der höheren Lebenserwartung öfter als Männer, allerdings erben sie oft geringere Summen. Das führt dazu, dass am oberen Rand Männer über mehr als doppelt so viel Vermögen verfügen wie Frauen. Reichtum ist – ein paar Ausnahmen bestätigen die Regel – vor allem männlich.

 

Besteuerung von Millionen-Erbschaften würde 500 Millionen bringen
Um diesem Trend etwas entgegenzusetzen, braucht es einen gut umverteilenden Sozialstaat. In Österreich verteilt dieser zwar stark um. Allerdings leisten die Vermögenden einen immer geringeren Beitrag , vor allem gemessen an ihren Möglichkeiten. So werden Erbschaften und Vermögen in Österreich kaum besteuert, was im internationalen Kontext eher unüblich ist. Von einer Erbschaftssteuer ab einer Million Euro wäre nur das reichste Prozent der Bevölkerung betroffen. Einnehmen könnte man Berechnungen zufolge jährlich 500 Millionen Euro.

 

Wer vererbt wieviel in Österreich?
grafik erben

 

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